Schlagwort-Archive: Eisacktal

Südtirols Natur um Rogens Bauernhof

Nach den diversen Südtiroler Pressemeldungen der vergangenen Wochen, wonach vor allem die Berglandwirtschaft in Südtirol unter der starken Trockenheit zu leiden hätte, bringt es der Südtiroler Bauernbund jetzt unmissverständlich auf dem Punkt.

Südtiroler Bauern beklagen hohen Ernteausfall
Demnach zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Südtiroler Bergbauern in diesem Jahr, Schäden in Höhe von 30 Millionen Euro zu erwarten haben. Betroffen von der Trockenheit wäre im Gegensatz zu anderen Jahren, bereits der erste Heuschnitt, welcher in diesen Tagen, auch hier in Spinges,  die Bauern beschäftigte.

Südtirols Natur zum Innehalten vom Alltag
Spinges im Südtiroler Eisacktal
,  liegt auf 1.100 m,  in der Nähe von Brixen, am Eingang ins Pustertal. Bei meinem gestrigen Besuch im Naturhotel Rogen, welchem ein von der Familie Rogen geführter Bauernhof angeschlossen ist, schien mir alles, wie gewohnt. Die Wiesen rund um das Hotel erstrahltem im satten Grün. Die gerollten Heuballen lagen bereit zur Einfuhr in den Stadel. Ich mache mich auf, dieses Paradies der Ruhe und Beschaulichkeit für ein paar Augenblicke zu genießen. Innehalten vom Alltag, hieß die liebliche Einladung, der ich mich gerne hingab. Unweit des Denkmals, das man zu Ehren der Spingeser Magd Katharina Lanz, erstellt hat, setze ich mich auf den gemähten Boden und schaue auf Brixen, der Bischofsstadt, welche hier nebst der Bergkette der Plose, des Peitlerkofels und einem Teil des Schlerns, ein schönes Stück Eisacktal ausmacht.

Spinges in Südtirol – inmitten der Natur  
Eine reich beschenkte Naturlandschaft so weit das Auge reicht. Nach einem halben Stündchen des wohltuenden Sinnierens, vielleicht waren auch Minuten eines genüsslichen Naturschlummers dabei, lässt mich das Geräusch eines Traktors wieder in den Alltag zurückfinden. Ewald Rogen, der Gastgeber im Naturhotel Rogen steuert das schwere Gefährt mit drolligen Greifarmen in Richtung eines Heu-Rundballens, der ob seines Gewichtes von 850 kg,  schwerlich von Menschenhand  bewegt werden könnte. Es ist eine andere Art des Futtervorrats, der hier eingebracht wird. Das gemähte Gras bleibt nur für einen Tag liegen und wird noch weitestgehend grün und saftig zu diesen runden Kolossen gedreht.
Später wird das Ganze wie ein Frühstücksbrötchen eingepackt um es frisch zu halten. Der Nahrungswert der so entstandenen Silage ist für die 30 Stück Vieh, welche in Rogens Stall stehen, deutlich höher, als jener des herkömmlichen Heues.  

Ewald, Bauer auf Zeit  
Ewald würde heute seinem Bruder helfen, denn in diesem Jahr ist jeder Tag wertvoll, wenn es ums Heu geht, meint er.

Sein Bruder, Andreas Rogen würde im Gegenzug im Hotel helfen – das typische und gut funktionierende Modell eines Südtiroler Familienbetriebes eben. Auf meine Frage, ob es mit dem Heu wirklich so schlecht bestellt wäre, wartet der quirlige Aushilfsbauer mit konkreten Zahlen auf. So wären andere Jahre, auf derselben Fläche, an die 30 bis 32 Rundballen Heu geerntet worden, in diesem Jahr sind nur 20 zusammen gekommen, was einem Ernteausfall von über 35% gleichkommt.  „Wir mussten bereits Heu zukaufen und das ist jetzt schon deutlich teurer geworden“, erzählt Ewald. Pro kg Heu müssen 3 Cent mehr berappt werden, was eine Preissteigerung von nahezu 20% bedeutet. „Das Dilemma begann bereits im Winter mit äußerst wenig Schnee und dann kam noch der überdurchschnittlich heiße März dazu. Der Wasserspiegel ist um etwa 30% gesunken“, resümiert Ewald nüchtern.

Werte der Natur erkennen
Beim ersten Hinschauen ist das Dilemma der Bauern nicht erkennbar. Das Gras scheint seinen normalen Wuchs zu nehmen. Schaut man aber zwischen die Halme, so wird augenscheinlich, dass es arg an der Dichte fehlt, dass die feinen Triebe gar nicht aufgekommen sind. Dem erholsamen Natururlaub in Südtirol und den Liebhabern dieser, trotz allem,  paradiesisch gebliebenen Naturlandschaft wird das Ganze wenig anhaben können. Vielleicht ist es aber wichtig zu wissen, dass die Natur weit empfindsamer ist, als dies allgemein angenommen wird und das es gilt, ihre Geschenke umso mehr zu umarmen.